Zusätzliche Herausforderungen für Pädagoginnen und Pädagogen im Kontakt mit Jungen und männlichen Jugendlichen

Erstellt von Michael Ueberschaer am 02.05.2016, 22:31

 

Jungen möchten Männer werdenWenn Sie sich mit Jungensozialisation beschäftigen, wissen Sie hoffentlich, welche Schwierigkeiten Jungen bei der Identitätsfindung zusätzlich haben.

Für Ihre pädagogische Tätigkeit ist das Wissen um die zusätzlichen Herausforderungen, mit denen Jungen konfrontiert sind, zu Ihrer Entlastung wichtig.

Lesen Sie meinen Einführungsartikel zum Thema Jungensozialisation, wenn Sie dies noch nicht gemacht haben.

In diesem Artikel möchte ich mich mit den Bedingungen beschäftigen, unter denen Sie in Kontakt zu Jungen oder männlichen Jugendlichen geraten.

Ich bin ein Junge


Sobald Jungen erkennen, dass sie sich von Mädchen unterscheiden, werden sie im allgemeinen damit beginnen, ihr Verhalten entsprechend zu verändern.

Ziel Ihres Verhaltens ist mehr oder weniger ohne Unterbrechung, die eigene Männlichkeit im Kontakt mit Mitmenschen zu sichern. Das bedeutet, dass Jungen mithilfe von Beobachtungen feststellen, wie sich Mädchen verhalten.

Die Sicherung der eigenen Männlichkeit steht im VordergrundIch verhalte mich männlich

Verhaltensweisen, die sie als weiblich identifizieren, werden Jungen zunehmend vermeiden. Die Folge ist, dass Sie als Pädagoge oder Pädagogin höchstwahrscheinlich Jungen erleben, die sich irgendwie stereotyp verhalten. Wenn weibliche Verhaltensweisen nicht mehr zum Repertoire eines Jungen gehören dürfen, bleiben die Alternativen in der Folge begrenzt.

Beispielsweise werden Jungen normalen Körperkontakt untereinander zunehmend vermeiden. Körperkontakt geht nur noch mit bestimmten Spielregeln; z.B. innerhalb einer entsprechenden Sportart oder während eines Gerangels.

Ich fühle männlich

Neben der Veränderung des eigenen Verhaltens beginnen Jungen Gefühle, deren Erleben bei Mädchen zu beobachten ist, zunehmend zu bewerten. Die meisten Gefühle werden sie in der Folge negativ bewerten und damit beginnen, diese Gefühle aktiv zu beseitigen.

Sind Jungen anfangs unerfahren in der Beseitigung ihrer Gefühle, werden sie ihre Mechanismen bis ins Erwachsenenalter zunehmend perfektionieren. Die Auswahl der eigenen Mittel, die eigenen Gefühle weg zu machen, fällt dabei individuell verschieden aus. Parallelen können Sie als Pädagoge oder Pädagogin im Alltag sicher beobachten. 

Kontaktherstellung wird erschwert

Für Sie als Fachkraft bedeutet der veränderte Umgang mit Gefühlen und das reduzierte Verhalten, dass Sie Schwierigkeiten bekommen können, Kontakt zu Jungen oder männlichen Jugendlichen her zu stellen. Damit ist die Beziehungsgestaltung mit zusätzlichen Herausforderungen für Sie verbunden.


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