Was ist Gewaltverhalten?

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Weshalb die Frage „Was ist Gewaltverhalten?“ und nicht die Frage „Was ist Gewalt?“?

Die Auffassung, dass Gewalt auch ohne die konkrete Handlung einer Person vorliegt, ist immer noch weit verbreitet. Diese Auffassung bekommt auch durch Veröffentlichungen im Internet Nahrung. So heißt es beispielsweise auf der Seite ‚http://www.ard.de/home/ard/Gewalt_in_den_Medien__Was_ist_Gewalt_ueberhaupt_/73718/index.html‚ auf ard.de unter der Überschrift Strukturelle Gewalt:

Unter struktureller Gewalt versteht man Gewalt, die durch den Aufbau und die Regeln eines Gesellschaftssystems entsteht.

Nach dieser Logik sind wir dauerhaft und permanent Gewalt ausgesetzt

Es ist wichtig, darüber nach zu denken. Diese Logik hat zur Folge, dass wir bereits durch die Existenz unserer Gesellschaft Gewalt ausgesetzt sind. Auch Regeln des Zusammenlebens könnten als Gewalt gelten. Mit der Vorgabe, dass wir eine Ampel nicht bei ROT zu überqueren haben, würde uns bereits Gewalt angetan. Auch andere Regeln wie die Mehrwertsteuer oder die Einkommenssteuer würden beinhalten, dass man uns Gewalt antut. Dies ist offensichtlich ziemlich absurd. Und dennoch gibt es Personen, die dieser Logik folgen und Gewaltverhalten genau damit rechtfertigen.

Eine Handlung erzeugt Gewalt

Was ist Gewaltverhalten? Eine eindeutige Antwort.Gewalt ist somit nicht einfach da, sondern setzt eine konkrete Handlung voraus. Gewalt sollte also als Handlungsbegriff verstanden werden. Deshalb ist Gewaltverhalten der treffendere Begriff. Dies gilt besonders im Zusammenhang mit ‚Häuslicher Gewalt‚. Gewalt wird entsprechend durch das Gewaltverhalten einer Person zum Phänomen.

Definition von Gewaltverhalten

  • Schlagen, Treten, Schubsen und jede andere Form der körperlichen Beeinträchtigung
  • Das Androhen von Schlagen, Treten, Schubsen oder einer anderen körperlichen Beeinträchtigung

Ist eine Beleidigung oder Demütigung Gewaltverhalten?

Nein! Eine Beleidigung ist eine Beleidigung und eine Demütigung ist eine Demütigung; nicht mehr und nicht weniger!

Eine Beleidigung wird durch die Begriffe ‚Psychische Gewalt‘ oder ‚Seelische Gewalt‘ mit Gewaltverhalten gleichgesetzt

Im Internet sind zahlreiche Artikel bzw. Seiten zu finden, die andere Handlungen wie Beleidigen, Beschimpfen, Erniedrigen und ähnliche Verhaltensweisen mit Gewaltverhalten gleichsetzen.

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Wo kommt diese Gleichsetzung her?

Grenzverletzendes Verhalten

Es ist klar. Wir möchten von unseren Mitmenschen auf eine angenehme Weise behandelt werden. Wenn uns unser Partner oder unsere Partnerin beleidigt, überschreitet er/sie unsere Grenze.

Dies ist auf besonders heftige Weise der Fall, wenn er/sie uns ins Gesicht schlägt, in den Magen boxt oder uns mit einem Messer verletzt.

Unangenehme Gefühle

Wenn unsere Grenzen überschritten werden, erleben wir grundsätzlich unangenehme Gefühle. Mit einer Beleidigung oder Demütigung kann unser(e) Partner(in) uns kränken und/oder verletzen. Wir können hilflos, verzweifelt, ohnmächtig sein.

Dies gilt auch bei einem körperlichen Übergriff. Die Vielzahl der Gefühle, die sich bei Opfern einstellen, ist enorm. Neben Hilflosigkeit, Verzeiflung und Ohnmacht und den körperlichen Schmerzen erlebt man als Opfer Fassungslosigkeit, Einsamkeit,  Konsterniertheit, Erschrecken und weitere unangenehme Gefühle.

Es werden ähnliche Gefühle erlebt

Sobald wir also davon betroffen sind, dass eine Person unsere Grenzen verletzt, können sich sowohl bei Gewaltverhalten als auch bei z.B. einer Beleidigung bei uns identische Gefühle einstellen.

Entsprechend wird beispielsweise die Formulierung „Es war für mich wie ein Schlag ins Gesicht“ auch bei Verhalten genutzt, welches kein Gewaltverhalten ist. Das Erleben unangenehmer Gefühle ist ein sehr persönlicher Vorgang.

Beleidigung und körperlicher Übergriff sind unterschiedliche Handlungen

Wenn wir den Blick auf die jeweilige Tat richten, dann sind eine Beleidigung und ein tätlicher Übergriff durch z.B. eine Ohrfeige nicht dieselben Handlungen.

Ein Täter oder eine Täterin, der oder die sich entscheidet, sein / ihr Opfer zu schlagen, beeinträchtigt die Körperliche Gesundheit seines / ihres Opfers. Dies ist bei einer Beleidigung oder Demütigung nicht der Fall.

Alles in einen Topf hilft nicht

Die Gleichmachung einer Beleidigung oder Demütigung und Gewaltverhalten ist extrem problematisch.

  • Denn wie gelangen Opfer bei einer derartigen Vermischung für sich zu einer klaren Haltung bzgl. häuslicher Gewalt durch Ihre(n) Partner(in)?
  • Wie erkennen Opfer, dass Gewaltverhalten die Form von Grenzverletzung ist, die sie auf keinen Fall hinnehmen sollten?
  • Und wie sollten Täter begreifen, dass Sie aufgrund Ihres Gewaltverhaltens etwas unternehmen müssen?
  • Wie können Täter bzw. Täterinnen verstehen, dass sie nicht in Notwehr handeln, sondern sich gewalttätig verhalten

Nicht Verstehen von Gewaltverhalten

Ein wesentlicher Aspekt bei Gewaltverhalten ist, dass Täter/innen sich für ihr Gewaltverhalten entscheiden. Eine Hand rutscht nicht aus, sondern ein Täter(in) führt seine Hand gezielt zunächst zurück und dann bei z.B. einem Faustschlag wieder gezielt nach vorne ins Ziel.

Wenn sich unser Partner oder unsere Partnerin dazu entscheidet, ist das ein ungeheuerlicher Vorgang. Der Mensch, mit dem wir intim sind, der uns liebt, mit dem wir Kinder haben, schlägt zu.

Das ist für ein Opfer von Gewaltverhalten im häuslichen Umfeld überhaupt nicht zu verstehen. Die Suche nach Ursachen wird für Opfer der einzige Strohhalm, um ihr Unverständnis zu bearbeiten.

Auch auf der oben verlinkten Seite der ARD wird angenommen, dass man mit dem Begriff Seelische Gewalt die Ursachen von Gewalt verstehen kann. Die gesellschaftliche Debatte sucht auch stellvertretend für die Opfer nach Antworten.

Doch die Antworten liegen in der Person von Tätern und Täterinnen. Täter und Täterinnen entscheiden sich, ihre Partner(innen) und/oder Kinder zu schlagen. Dafür haben sie Gründe.

Fazit

Dass Menschen anderen Menschen mit Gewaltverhalten begegnen, macht nicht nur die jeweiligen Opfer ohnmächtig. Die gesellschaftliche Suche nach den Ursachen hat wieder Fahrt aufgenommen.

Es entsteht immer wieder aufs Neue die Gefahr, dass Täter(innen) zu Opfern gemacht werden.

Täter und Täterinnen verhalten sich gewalttätig, wenn sie zuschlagen und damit körperlichen Schaden verursachen. Auch wenn sie dies androhen, zeigen sie Gewaltverhalten.

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Ein Kommentar

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