Warum fällt uns unsere Selbstwahrnehmung so schwer?

Selbstwahrnehmung meint nach meiner Auffassung das Wahrnehmen eigener Gefühle.

Das Wahrnehmen eigener Gefühle ist elementar für die Gestaltung unserer Beziehungen. Denn nur anhand unserer Gefühle und den damit verbundenen, eigenen Grenzen können wir Kontakt herstellen.

Was hindert uns, uns selbst wahrzunehmen?

Einen ersten Hinweis auf die Bewertung von Gefühlen finden wir in der Form wie wir uns ausdrücken. Gängig ist auf die Frage ‚Wie geht es Dir?‘ zu antworten ‚Mir geht es gut‘ oder ‚Mir geht es schlecht‚. Oft hören wir auch ‚Ich habe ein schönes Gefühl‘ oder ‚Ich habe ein schlechtes Gefühl‘.

Bewertung durch Formulierung

In diesen Formulierungen steckt eine Bewertung. Wir neigen dazu, Gefühle zu kategorisieren. Die Kategorien sind ‚Gut‘ und ‚Schlecht‘ oder ‚Schön‘ und ‚Schlecht‘ oder ‚Positiv‘ und ‚Negativ.

Bewertung und unsere Rückschlüsse

Wir bewerten also Gefühle und belegen sie mit dem Prädikat ‚Positiv‘ oder ‚Negativ‘. Im Verlauf unserer Entwicklung lernen wir nicht nur diese Bewertung, sondern auch, das wir  ’negative‘ Gefühle nicht haben dürfen.

Dies wird durch unsere Eltern während unserer Erziehung durch bekannte Aussagen befördert. Hiermit stelle ich einige Beispiele vor, die aufzeigen, warum wir Gefühle bewerten.

  • Eigenlob stinkt
  • Ein Indianer kennt kein Schmerz
  • Müßiggang ist aller Laster Anfang
  • Hier wird nicht geheult

Das Ergebnis kann sein, dass wir folgende Entscheidungen treffen:

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  • Wir dürfen nicht stolz auf unser Tun sein
  • Wir dürfen  nicht traurig sein, Schmerzen haben, weinen
  • Wir dürfen nicht überfordert sein
  • Wir dürfen nicht weinen

Folgen unserer Rückschlüsse

Das Schwierige ist, dass sich Gefühle bei uns situationsbezogen einstellen. Wenn wir nun gewisse Gefühle nicht haben dürfen oder deren Wahrnehmung für uns problematisch ist, werden wir diese aktiv beseitigen. Dafür gibt es grundsätzlich 4 Mechanismen:

  • Interpretieren und Spekulieren
  • zum Gegenüber springen
  • andere Gefühle produzieren; z.B. Ärger, Wut, Traurigkeit
  • sich gewalttätig verhalten

Jeder Mechanismus dient dem Zweck, das eigentliche, situationsbezogene Gefühl nicht zu merken. Wenn wird diese Mechanismen über Jahre praktizieren, kann es sein, dass wir bestimmte Gefühle tatsächlich nicht mehr erleben.

Unsere Selbstwahrnehmung ist dann eingeschränkt. Diverse Gefühle stehen uns als Basis für unsere Handlungen dann nicht mehr zur Verfügung.

Fazit

Unsere Selbstwahrnehmung hängt von unseren Entscheidungen ab, die wir früher getroffen haben. Diese Entscheidungen waren als Kind oder Jugendlicher hilfreich, können uns aber im Erwachsenenalter massiv im Wege stehen.

Dann ist es ratsam, diese Entscheidungen zu überprüfen und Veränderungen ein zu leiten.

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