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Universität und Hausarbeiten - Wie sinnvoll sind Hausarbeiten für die Lernkultur?

Wer sich in irgendeinem Bereich des Bildungssystem bewegt, der weiss, dass das Bildungssystem in Deutschland mehr wert darauf legt, Stoff punktgenau auszuspucken, als eigene Gedanken zu entwickeln.

So hoffe ich zumindest.

Nun ist mir ein Artikel zum Thema Hausarbeiten an Universitäten aufgefallen, den ich nicht unkommentiert lassen kann und möchte.

Am Ende des Artikels behauptet der zitierte Uni-Dozent, es ginge uns mit der Abschaffung von Hausarbeiten nichts verloren.

FALSCH, sage ich.
Beim Lesen des Artikels wurde ich an andere Vorgänge im Bildungssystem erinnert, die nichts anderes bedeutet haben als bestimmten Defiziten der Lernenden Vorschub zu leisten.

In einigen Bundesländern wurde vor einiger Zeit entschieden, dass Schüler zunächst nach Gehör schreiben dürfen sollen. Inzwischen ist klar, dass die Schwierigkeiten größer werden.

Hausarbeiten machen Arbeit in einem System der Anpassung

Wer vor 15 - 20 Jahren studiert hat und mitbekommt, wie heute die Studiengänge aussehen, der schüttelt. Denn mit studieren haben die meisten Studiengänge nichts mehr zu tun. Sie sind die Fortführung eines regiden Schulsystems, welches angepasste und funktionierende, zukünftige Arbeitnehmer produziert.

Im Artikel ist von einer Studentin zu lesen, die 8 Hausarbeiten im Semester 'geschrieben' hat. Der Dozent kommt allerdings nicht auf die Idee, die Anzahl der Hausarbeiten in Frage zu stellen, sondern stellt den Sinn von Hausarbeiten an sich in Frage.

8 Hausarbeiten im Semester

Nun weiss ich nicht, ob die hohe Zahl der Hausarbeiten durch die eigene Entscheidung der Studentin oder durch die strukturellen Vorgaben der Uni zustande kommen. Im Artikel entsteht das Bild, dass mit Hausarbeiten die Vorgaben der Uni abgearbeitet werden. Diese Vorgaben werden allerdings kaum hinterfragt, sondern lediglich benannt.

Interessant ist, dass der zitierte Uni Dozent die Themen der Hausarbeiten offenbar vorgibt. Tja, auch hier stellt sich die Frage, ob dies ein strukturelles Problem ist oder nicht. Es geht oder ging auch anders.

8 Hausarbeiten pro Semester bedeuten bei Nutzung der Semesterferien mehr als 1 Hausarbeit pro Monat. Natürlich tritt dann das Interesse am damit verbundenen Stoff in den Hintergrund.

Mangelnde Fähigkeiten

Der Dozent stellt ebenfalls fest, dass die Hausarbeiten meistens nicht dem Anspruch,  geistreich und experimentell zu sein, entsprechen.


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Ja, das kann doch aber nicht wirklich überraschen bei dem heute gelebten Schulsystem. Kinder und Jugendliche verbringen den Großteil Ihrer Zeit mit Schule, um Fakten auswendig zu lernen und wieder zu käuen.

Das können sie, wenn sie wenigstens das gelernt haben, und setzen dies an den Universitäten fort.

Infrage stellen von Klausuren?

Auch Klausuren müssen gelesen werden und korrigiert werden. Für Klausuren müssen Bücher auswendig gelernt werden. Woran liegt es, dass der Dozent diese nicht in Frage stellt? Oder hat er dies bereits gemacht?

Oder ist es vielmehr so, dass Klausuren heute Multiple Choice Tests sind, die man als Lehrender schneller korrigieren kann?

Hausarbeiten sind ein Mittel zur selbständigen Erarbeitung

Hausarbeiten sind nach meinen Erfahrungen ein wunderbares Mittel, sich mit einem Thema anhand von selbst gewählten Fragen zu beschäftigen. Wenn man als Student die Möglichkeit hat, aus dem Fundus möglicher Themen innerhalb einer Veranstaltung zu wählen, dann kann studieren tatsächlich Spass machen.

Der selbst erarbeitete Stoff und die Beantwortung eigener Fragen macht ein tieferes Verständnis erst möglich.

Ich fordere, Klausuren an Universitäten zu reduzieren. Ich fordere, die Studiengänge wieder zu Studiengängen zu machen. Weg vom stumpfen auswendig lernen und wieder ausspucken.

Fazit

Verantwortliche im Bildungssystem neigen aus meiner Sicht dazu, nicht genau hinzusehen und die tatsächlichen Probleme nicht zu benennen. Es ist schade, dass Fachkräfte in Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen so sparsam damit sind, das Bildungssystem offen und scharf zu kritisieren.

Dabei werden grundlegende Erkenntnisse in relevanten Disziplinen preisgegeben und es zieht eine Verknappung von Fachlichkeit ein. Das ist natürlich kein Zufall, sondern Ergebnis des Einflußes der Wirtschaft auf die Bildungslandschaft in Deutschland.

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Über Michael Ueberschaer

Ich bin Michael Ueberschaer. Ich bin selbständiger Blogger.

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