Scheidung einer binationalen Ehe
Wenn Sie meine Artikel zu Beziehungen gelesen haben, ist Ihnen vielleicht klar geworden, welche besonderen...
Mehr lesen
Ehevertrag und Sittenwidrigkeit
Für viele Menschen ist der Gedanke an einen Ehevertrag unromantisch, für andere gehört er jedoch als...
Mehr lesen
Aggressives Verhalten und Gefühle
Im Artikel Was haben Sie von Ihrem aggressiven Verhalten habe ich darüber geschrieben, was Sie mit aggressivem...
Mehr lesen
Eltern klagen gegen Lehrerinnen und Lehrer
Bildung ist wichtig. Immer wieder werden diese Sätze in unserer Gesellschaft in den Mund genommen, sodass...
Mehr lesen
Dauerhafte Beziehung - Was ist nötig?
Wer sich schon einmal in einer Beziehung befunden hat oder sich aktuell in einer Beziehung befindet,...
Mehr lesen
Härtefallscheidung – Wann Scheidung beschleunigen
Über die Autorin: Laura Gosemann hat Germanistik und Linguistik an der Universität Potsdam studiert...
Mehr lesen
Blog

Blog

Technologiefeindliche Lehrer - Symptomatisch für unsere Zeit

Erstellt von Michael Ueberschaer am 12.08.2016, 21:32

 

Das Smartphone ist durchaus ein nützliches Gerät, welches ich selbst auch nutze.

In der letzten Zeit mehren sich Artikel (z.B. der Leitartikel vom Spiegel: Legt doch mal das Ding weg), die sich kritisch mit dem Smartphone auseinander setzen.

Stimmung gegen Lehrer

Nun bin ich auf einen weiteren Artikel gestoßen, in dem Autor Herr Jochen G. Fuchs Stimmung gegen Lehrer macht:

Arne Ulbricht – ein Lehrer, der ursprünglich durch seinen Verzicht auf den Beamtenstatus bekannt geworden ist – reiht sich heute bei Spiegel Online in die Reihe der Angstmacher ein und verteufelt Smartphones und jede moderne Mediennutzung.

Wer den Artikel richtig liest, wird erkennen, dass Herr Ulbricht das Smartphone nicht verteufelt. Herr Ulbricht spricht über Eltern und letztlich über Erwachsene, die Kindern etwas vorleben. Der Leit-Absatz lautet:

Lieber chatten als mit den Kindern spielen, lieber surfen statt erzählen: Das Handy hat die Eltern fest im Griff. Mit den Folgen müssen wir Lehrer uns rumschlagen.

Das Handy, heute das Smartphone, hat die Eltern im Griff, sagt der Artikel. Es geht also um die Eltern, die das Smartphone für ihre Zwecke nutzen, nämlich unter anderem Schaden von ihren Kindern ab zu wenden.

Erfahrungen mit Eltern und deren Umgang

Herr Ulbrich schildert seine Erfahrungen, wie Eltern im Kontakt mit ihren Kindern mit dem Smartphone umgehen und kritisiert, dass Smartphones als unverzichtbar angenommen werden. Weiter problematisiert Herr Ulbrich die Folgen für die Kinder, die diese nicht absehen können. Herr Ulbrich appelliert an die verantwortung der Eltern, das Smartphone altersgemäß ein zu führen.

Technologiefeindlich?

Und das Letzte was unsere Kinder brauchen, wenn sie Medienkompetenz erlernen sollen, sind technologiefeindliche Lehrer.

Die Beziehungen zwischen Lehrern und Eltern sind heute oft angespannt und nicht mehr durch eine Zusammenarbeit zum Wohle der Kinder geprägt. Das ist schon jetzt sehr bedauerlich.

Der Autor bringt nun das klassische Totschlagargument (dies ist im übrigen eine nicht bewiesene Behauptung), dass Lehrer, die Ihren Unterricht analog ohne technische Geräte durchführen möchten,  technologiefeindlich sind.

Herr Ulbricht schimpft auch nicht auf Wetter-Apps, sondern stellt fest, welche Auswirkungen auf die Lebensgestaltung haben kann.

Studie zum Lernen mit neuen Medien

Herr Jochen G. Fuchs führt eine Studie an, um die Wichtigkeit von Medienkompetenz zu untermauern und schießt sich mit dieser Studie selbst ins Knie. Denn dort heißt es am Ende:

Dennoch warnt Hattie in seinem Buch vor vorschnellen Schlüssen: "Meine eigene Ansicht ist, dass Computer (wie viele andere strukturelle Innovationen im Bildungswesen auch), die Wahrscheinlichkeit des Lernens erhöhen können. Eine zwangsläufige Beziehung zwischen dem Besitz eines Computers, dessen Nutzung und den Lern-Outcomes gibt es aber nicht."

Die Behauptung in einer Überschrift, dass sich der Einsatz von Smartphones im Unterricht positiv auswirkt, ist schlichtweg unlauter. Darüber hinaus wird im Artikel selbst verschwiegen, dass die Schüler, die im Unterricht mit Notebooks arbeiten, bereits ein gewisses Alter erreicht haben.

Fazit

Die sogenannte Medienkompetenz ist eine Blase, die durch solche Artikel weiter aufgeblasen wird. Es ist keine Frage, dass in bestimmten Berufen der Umgang mit Anwendungssoftware notwendig ist. Die Forderung nach der Vermittlung von Medienkompetenz wird ständig auf die neuen Medien reduziert.

Bei Wikipedia ergibt sich eine umfassendere Sicht:

Medienkompetenz umfasst:

  1. Medien (Bücher, Zeitschriften, Hörfunk, Fernsehen, Internet etc.) kennen und nutzen können – beispielsweise ein Buch in der Bibliothek suchen und entleihen
  2. sich in der Medienwelt orientieren können – beispielsweise unter den verschiedenen Fernsehangeboten eine Nachrichtensendung finden
  3. an medial vermittelten Kommunikationen teilnehmen können – beispielsweise einen Leserbrief verfassen, in einer Schülerzeitung schreiben, zu einem offenen Kanal etwas beitragen, sich an der Wikisphere beteiligen.
  4. eine kritische Distanz zu Medien halten – beispielsweise kommerzielle oder politische Interessen in journalistischen Beiträgen erkennen können, vgl. Medienkritik
  5. selbst kreativ in der Medienwelt tätig werden – beispielsweise ein Blog schreiben, eine eigene Homepage gestalten, einen Rundbrief herausgeben, eine Demo veranstalten, ein Buch schreiben, eine Ausstellung organisieren, ein Konzert geben, ein Graffiti erstellen, ein Wiki ins Leben rufen, oder einen Flashmob initiieren.

Die Diskussionen und Beiträge rund um Medienerziehung sind bis heute wenig hilfreich für Eltern und Lehrer. Der durch die Wirtschaft verbreitete Anspruch an die Nutzung der neuen Medien in Bildungseinrichtungen hebt ab auf eine bestimmte Berufsgruppe und blendet die grundsätzlichen Bedarfe von Bildung immer wieder aus.

Der Artikel reiht sich ein in die Stimmungsmache gegen Lehrer, die Ihrer Aufgabe als Fachkräfte gerecht werden, wenn sie sich kritisch äußern und ihre Beobachtungen schildern. Dies ist symptomatisch für unsere Zeit. Den Beziehungen in den KITAS, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen erweist dieser Artikel einen Bärendienst.