Lehrer sein ist mehr als Noten zu verteilen - Bildungssysteme in Deutschland und USA

Erstellt von Michael Ueberschaer am 14.06.2016, 13:34

 

Bildung als frustrierender LebensaspektIch habe schon darauf hingewiesen, dass sich das aktuelle Bildungssystem auf die Beziehungen der Akteure unangenehm auswirkt.

Das Miteinander ist einem Gegeneinander gewichen. In den Beziehungen zwischen Schülern, Eltern und Lehrern werden zunehmend unangenehme Gefühle erlebt.

Im einem Artikel beschreibt Melissa Bowers, eine Lehrerin in den USA, Ihr Erleben während Ihrer Tätigkeit.

Parallelen zwischen Deutschland und USA

Ich kann sagen, dass ich erstaunt bin. Die Bedingungen in den Bildungssystemen weisen scheinbar erhebliche Parallelen auf. Gleichzeitig bin ich ernüchtert, denn diese Parallelen zeigen, dass Menschen, Schüler, Eltern und Lehrer in beiden Ländern mit ähnlichen Entwicklungen konfrontiert sind.


Die Autorin trifft elementare Aussagen:

  • die Unterrichtskultur hat sich verändert
  • das System bricht zusammen
  • die Ratten verlassen das sinkende Schiff

Diese Aussagen treffen zweifellos zumindest in Teilen auch auf Deutschland zu. Wer aktiv unterrichtende Lehrer oder Lehrerinnen kennt, wird wissen, dass sich auch in Deutschland die Unterrichtskultur verändert hat.

Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang auch die Ergebnisse des Bildungsberichts 2016. Dieser hält fest, dass zunehmend Bildungseinrichtungen in privater Trägerschaft entstehen. Verlässt da die oder der andere das sinkende Schiff?

Der Artikel hat mich berührt. Der Artikel lässt  erahnen, wie ernst die Autorin Ihren Beruf genommen hat und wie desillusioniert sie nun ist. Ich möchte im folgenden die Aussagen, die mich betroffen gemacht haben und aus meiner Sicht auch in Deutschland relevant sind, genauer untersuchen.

Jeder weiß, wie dein Job zu machen ist. Wirklich JEDER

Ich beobachte, das gilt aus meiner Sicht auch für andere Berufe, dass der Lehrerberuf einer kontinuierlichen Abwertung ausgesetzt ist.

Durch Einflüsse von aussen wird immer mehr in die Unterrichtsgestaltung eingegriffen. Unterricht wird meines Erachtens immer mehr zu einem Programm, welchem zu folgen ist.

Lehrer werden genau wie Schüler und Lehrer zunehmend in ein System gepresst. Dabei hat sich entwicklungspsychologisch an den Bedarfen von Schülern rein gar nichts verändert.

Du wolltest ein Bild festigen und es nicht zerstören

Ich erinnere in diesem Zusammenhang  an meinen Englischlehrer, der im Unterricht die Tageszeitung als Ausgangspunkt für Diskussionen nutzte.

Nicht nur, dass Fächer in ein inhaltliches Schema gepresst werden; nein, damit nicht genug. Fächer wie Musik, Kunst und Sport werden fahrlässig ins Abseits gedrängt. Die Autorin weist richtiger Weise darauf hin, dass Fantasie immer weniger Raum bekommt.

Die Technologie-Versessenheit treibt dich in den Wahnsinn

Die Autorin verbindet mit dem Lehrerberuf auch, etwas Neues zu präsentieren, das Interesse der Schüler an der Erweiterung ihres Horizonts zu wecken. Und es stimmt, Smartphone und Tablet sind für Kinder heute nicht neu.

All diese Ansprüche und die Trophäen und die Apathie und was weiß ich

Ja, die Ansprüche sind zweifellos gestiegen, die Unterrichtsqualität wohl eher nicht.

Man kann nicht wirklich beurteilen, wer hier wie gut ist

Ich halte es für einen entscheidenden 'Fehler' der letzten Jahrzehnte, so etwas wie Controlling in die Schulen hinein zu tragen.

Ebenso ist es aus meiner Sicht fatal gewesen, Schulen zu sogenannten Unternehmen zu machen. Damit sind Schulen vorbehaltlos dem Leistungsprinzip unserer Gesellschaft ausgesetzt.

Wenn man dem Prinzip folgt, funktioniert Schule sehr gut. Sie analysiert, sortiert ein und aus.

Wenn man Bildung als einen Prozess der Reifung auffast, war diese Entscheidung Teil der Beendigung von humanistischer Bildung in Deutschland.

In deinem Job geht es um viel mehr als nur um Noten

Hierbei handelt es sich um ein weit entferntes Ideal. Gegenwärtig ist Bildung genau dies. Noten verteilen, um Schüler ihrem Platz zu zu weisen. Die Autorin schreibt Lehrern Aufgaben zu, die ehedem Aufgabe der Erziehungsberechtigten waren.

Die Kinder, verdammt. Die Kinder

Ich denke an meine Schulzeit zurück und kann sagen, dass ich nicht immer Vergnügen am Unterricht hatte. Dies hing nicht von den Fächern ab, die gelehrt wurden, sondern im wesentlichen von den Lehrern. Ich glaube nicht, dass der Mehrwert von Unterricht durch die zahlreichen Bildungsreformen für Schüler gestiegen ist.

Ich glaube vielmehr, dass die Lockerheit gänzlich verschwunden ist, die ich nicht nur in der Schule, sondern auch während meines Studiums genießen durfte. Die mangelnde Lockerheit ist einer spürbaren Anspannung und Überforderung bei den meisten Beteiligten gewichen.

Fazit

Ich wünsche mir ein STOPP zu allen Reformen. Ein Innehalten in der Bildungslandschaft wäre aus meiner Sicht dringend angezeigt.

 

Wie sind Ihre Erfahrungen als Eltern und Lehrer? Schreiben Sie gerne Ihren Kommentar.

 


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