Jungen und männliche Lehrer in Grundschulen - eine überfrachtete Debatte?

Erstellt von Michael Ueberschaer am 27.01.2017, 15:07

 

In meinem Artikel Sind Jungen heute verweichlicht und verweiblicht? geht es um die Notwendigkeit wahrhaftiger männlicher Vorbilder für Jungen. Im Artikel geht es um die Pädagogik in KITAS.

Nun sind mir 2 Artikel aus dem September 2016 unterkommen, die sich mit dem Thema männliche Pädagogen in Grundschulen beschäftigen.

Im Artikel Mangelware Mann - Grundschulen suchen Lehrer wird festgestellt, dass zu wenig männliche Pädagogen an den Grundschulen in Schleswig Holstein unterrichten und somit männliche Vorbilder fehlen.

Im Artikel Grundschullehrer - Nicht männlich genug wird darüber gesprochen, warum der Beruf des Grundschullehrers für Männer kaum attraktiv ist.

Jungen und männliche Lehrer - Eine Überfrachtung von Männlichkeit?

Im 2. Artikel äußert sich ein Professor dahingehend, dass Männlichkeit zwischen Jungen und männlichen Lehrern nicht immer eine Rolle spielt? Stimmt das?


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Salopp formuliert könnte ich sagen, dass das völliger Quatsch ist. Das wäre allerdings wenig wissenschaftlich und kaum hilfreich.

Jungenarbeit führt Schattendasein

Mir zeigt es ganz deutlich, dass die sogenannte Jungenarbeit in den Studiengängen der Pädagogik kaum eine Rolle spielt. Das ist höchst problematisch.

Denn daraus ergeben sich gewisse Umstände, die im 2. Artikel dafür herhalten müssen, warum mehr Männer in Grundschulen wenig bringen. Dort heißt es:

" Ich glaube nicht - und unsere Studien weisen auch nicht darauf hin - dass die Idee: 'mehr Männer = jungenfreundlichere Schule' funktionieren würde."

Das wird damit begründet, dass nicht klar ist, worum es bei der Frage nach mehr männlichen Lehrern an Grundschulen gehen soll:
 

  • Soll Jungen die Schule besser gefallen
  • Sollen Jungen bessere Noten bekommen?
  • Sollen Jungen 'richtigere' Jungen werden?
  • Soll das Bild von Männlichkeit erörtert werden?

Männlichkeit = Gegenteil von Weiblichkeit

Ich bin aufgrund der Artikel recht bestürzt, da das  Dilemma von Jungen an den Universitäten ganz offensichtlich nicht bekannt ist. Dieser Schluss ist anhand des vom Professor Gesagten zu ziehen.

Jungen und der Eiertanz

Ich kann nicht verstehen, wie man von einer Überfrachtung des Themas Männlichkeit sprechen kann. Jungen sind den ganzen Tag damit beschäftigt, die eigene Männlichkeit zu suchen, herzustellen und zu sichern. Das ist für Jungen ein wahnsinnig anstrengender Eiertanz.

Sobald Jungen also mit Frauen oder Männern im Kontakt sind, geht es für sie um ihre Männlichkeit. Männliche Pädagogen bieten automatisch Erleichterung, da sie einen wahrhaftigen Entwurf von Männlichkeit bieten. Jungen müssen dann weniger alles Weibliche ablehnen, um sich als Jungen erleben zu können.

Männliche Lehrer sollten reflektieren können

Im Lehramtsstudium führt Pädagogik nach wie vor ein Schattendasein. Dabei beeinflusst insbesondere die Gleichgeschlechtlichkeit und Gegengeschlechtlichkeit den Schulalltag von Jungen und Mädchen. Auch Lehrer sollten in der Lage sein, diese Tatsache im Umgang mit Schülerinnen und Schülern zu reflektieren.

Allein durch die Existenz eines männlichen Grundschullehrers erfährt ein Junge, dass Männer auch Grundschullehrer sein können und vor allem dürfen. Männer geben ihre Männlichkeit nicht preis, wenn sie Grundschullehrer sind.

Fazit

Das Thema 'Männliche Lehrer' an Grundschulen wird zwar diskutiert, doch die Wichtigkeit von männlichen Lehrern massiv unterschätzt. Auch wenn Jungen mit Vätern aufwachsen, sind sie dennoch meistens mit ihrer Männlichkeit allein gelassen.

Männlichen Lehrern und männlichen Pädagogen kommt hier eine besondere Rolle zu, nämlich Jungen vorzuleben, wie Männlichkeit gelebt werden kann. Dazu gehört auch, im Kontakt miteinander unangenehme Gefühle zu merken und zu benennen.


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