Jungen haben es schwerer

Erstellt von Michael Ueberschaer am 08.03.2016, 13:02

 

Ist das eine richtige Aussage?

Im Hinblick auf die schulische Entwicklung von Jungen gibt es reichlich Hinweise, dass an dieser Aussage etwas dran sein könnte:

http://www.spektrum.de/news/warum-jungen-in-der-schule-auf-der-strecke-bleiben/1353755

https://www.bllv.de/Krise-der-Jungen.7394.0.html

Die beiden verlinkten Artikel versuchen eine Erklärung, benennen das grundsätzliche Phänomen rund um die Jungensozialisation allerdings nicht.

Was ist das grundlegende Phänomen?


father_413480_1920_tmb.jpgHerbert Grönemeyer singt in seinem Song 'Männer':

 

Männer haben's schwer, nehmen's leicht
Außen hart und innen ganz weich
Werden als kind schon auf mann geeicht
Wann ist ein mann ein mann

 

 

Diese Zeilen sind mit besonderer Vorsicht zu lesen, denn Jungen werden eben nicht im Kindesalter auf Mann geeicht.

Dazu bedarf es anwesender Väter, also anwesender Männer!

Das Gegenteil ist oft der Fall:

  • Jungen wachsen in den ersten 2 Jahren vornehmlich im Kontakt mit ihren Müttern auf
  • Ein Teil der Jungen wird allein ohne Vater (Mann) durch die Mütter erzogen
  • Ein grosser Teil der Jungen erlebt den eigenen Vater als häufig abwesend, entweder durch tatsächliche Abwesenheit oder durch mangelnden Kontakt zum Vater
  • Jungen erleben Väter oft als nicht zuständig für die Alltagsgestaltung; entweder durch strukturelle Ursachen oder in der Person des Vaters begründet
  • Jungen sind in KITAS und Grundschulen im wesentlichen mit Frauen konfrontiert

hero_1132290_1920_tmb.jpgWann ist ein Mann ein Mann?

Die Frage aus dem Track von Herbert Grönemeyer ist wiederum sehr berechtigt und aktueller denn je.

Denn:

  1. Durch die Aufweichung der klassischen Rollen von Frau und Mann ist die Beantwortung der Frage eine sehr individuelle Herausforderung
  2. Jungen können kaum Männer erleben, an denen sie sich orientieren können
  3. Die Neigung nach Ersatz zu suchen, läßt Jungen zusätzlich beschäftigt sein
  4. Vorbilder für Männlichkeit in Medien werden durch Jungen genutzt, um Ihre Identität als Mann auf zu bauen
  5. Männliche Gleichaltrigengruppen werden zu einem Subsystem für die Orientierung zum Männlichen

Die Suche nach Männlichkeit wird zur Kernaufgabe!

Für Jungen wird die Suche nach der eigenen Identität als Mann zur Kernaufgabe und zum Mamutprojekt. Dabei werden Jungen weiterhin vornehmlich allein gelassen. Väter stehen oft weiterhin nur als Freizeitvater zur Verfügung, der dann für die Orientierung ein verkürztes Bild liefert.

Die oft zu beobachtenden Verhaltensweisen, diese werden in den verlinkten Artikeln teilweise beschrieben, werden in den Sozialräumen als störend wahrgenommen. Weibliche Bezugspersonen können verständlicher Weise auf diese nicht adäquat reagieren bzw.eingehen, weil die persönliche Not des einzelnen Jungen nicht nachvollziehbar sein kann.

Jungen haben es tatsächlich schwerer!


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