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Ist Gewaltverhalten entschuldbar?

Erstellt von Michael Ueberschaer am 10.03.2016, 16:01

 

BluemenstraußEntschuldigung als Phase des Gewaltkreislaufs

Innerhalb des Gewaltkreislaufs kommt ein Täter / eine Täterin nach seiner / ihrer Gewalttat immer und immer wieder auf die Idee, sich zu entschuldigen. Das betroffene Opfer nimmt die Entschuldigung immer wieder an.

Dadurch kann der Eindruck entstehen, auch innerhalb unserer Gesellschaft, dass es möglich ist, sich vom eigenen Gewaltverhalten zu entschuldigen.

Der Begriff Schuld impliziert die Vorwerfbarkeit einer Handlung

Mit seiner / ihrer Entschuldigung bzgl. seines / ihres Gewaltverhaltens bittet ein Täter / eine Täterin also darum, dass das Opfer ihm / ihr das Gewaltverhalten nicht mehr vorwirft.

Opfer nehmen die Entschuldigung wie schon gesagt immer an!

Opfer sind durch eine Gewalttat Ihres Partners oder Ihrer Partnerin neben anderen Gefühlen auch mit Angst konfrontiert. Da sie nicht wissen, wie ihr Partner oder ihre Partnerin bei Ablehnung der Entschuldigung reagieren wird, nehmen sie die Entschuldigung unter anderem auch deshalb an.

Nimmt ein Opfer die Entschuldigung eines Täters oder einer Täterin an, impliziert dies, dass das Opfer das Gewaltverhalten des Täters / der Täter diesem / dieser nicht mehr vorwirft.

SchweigenEs wird nicht mehr über das Gewaltverhalten gesprochen

Daraus resultiert, dass der Täter / die Täterin und das Opfer über das Gewaltverhalten nicht mehr sprechen, es sozusagen zu den Akten legen.

Die Folgen sind fatal:

  • Täter oder Täterin begreifen das eigene Gewaltverhalten, den 'sogenannten Vorfall', als erledigt
  • In der Folge gibt der Täter oder die Täterin die Verantwortung für das eigene Gewaltverhalten an das Opfer ab (siehe Gewaltkreislauf)
  • Täter oder Täterin sehen keine Notwendigkeit, sich mit der eigenen Entscheidung, Gewaltverhalten zu zeigen, genauer zu beschäftigen
  • Das Opfer setzt das Gewaltverhalten des Täters / der Täterin mit dem eigenen Verhalten in Verbindung (z.B: 'Ich habe meinen Partner / meine Partnerin nicht in Ruhe gelassen', 'Das Essen war nicht fertig')
  • Das Opfer arbeitet in der Folge daran, das eigene mit dem Gewaltverhalten des Täters / der Täterin in Verbindung gesetzte Verhalten zu vermeiden
  • Das Opfer bleibt mit den Gefühlen, die sich durch die Tat bei ihm eingestellt haben, allein bzw. arbeitet daran, diese nicht mehr wahr zu nehmen

Das Opfer hat nicht die Wahl

Entsprechend ist die Annahme einer Entschuldigung nicht damit verbunden, dass die Gewalttat tatsächlich entschuldigt ist

Die Vorwerfbarkeit bleibt

Mit der Annahme einer Entschuldigung durch das Opfer ist ein Täter oder eine Täterin entsprechend auch nicht von der Vorwerfbarkeit seines / ihres Gewaltverhaltens befreit. Desweiteren sollten sich Täter und Täterinnen vergegenwärtigen, dass sie sich mit der Annahme Ihrer Entschuldigung durch das Opfer ihrem nächsten Gewaltverhalten nähern.

Verantwortung zur Beendigung liegt beim Täter / bei der Täterin

Damit ist auch gemeint, dass ein Täter oder eine Täterin mit der Bitte um Entschuldigung für das Beenden des eigenen Gewaltverhaltens nichts erreicht.

Täter und Täterinnen fällt die Verantwortung zu, aus dem Gewaltkreislauf aus zu steigen; das kann auch bedeuten, das Opfer nicht mehr in die Lage zu bringen, eine Entschuldigung annehmen zu müssen.