Härtefallscheidung – Wann Scheidung beschleunigen

Erstellt von Laura Gosemann am 29.11.2017, 16:10

 


Über die Autorin: Laura Gosemann hat Germanistik und Linguistik an der Universität Potsdam studiert und ist derzeit als freie Journalistin für verschiedene Verbände tätig. In Ihren Artikeln behandelt sie Themen wie das Verkehrs-, Sozial- und Strafrecht.

Wann können Sie die Scheidung beschleunigen?

Laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) wurden im Jahr 2015 insgesamt 127.457 Personen Opfer von Gewalt durch ihre Partner oder Ex-Partner, davon waren knapp 82 Prozent Frauen. Sind auch Sie von häuslicher Gewalt betroffen, können Sie mit einer Härtefallscheidung Ihre Ehe schnellstmöglich beenden. Wie diese vonstattengeht, erfahren Sie in nachfolgendem Artikel. – Laura Gosemann

Scheidung einreichen ohne Trennungsphase

Die Härtefallscheidung bietet die Möglichkeit, eine sofortige Scheidung bei Gericht einzureichen, ohne zuvor die einjährige Trennungsphase durchlaufen zu müssen.

Sie ist jedoch nur zulässig, wenn bewiesen werden kann, dass die Fortsetzung der Ehe eine unzumutbare Härte darstellt. Wenn dem Gericht also kein ausreichender Nachweis geliefert werden kann, wird der Scheidungsantrag oftmals zurückgewiesen.


Welche Fälle begründen eine Härtefallscheidung?

Neben Gewaltakten gegenüber dem Ehepartner können auch Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie schwere Drohungen Grund genug für eine unzumutbare Fortführung der Ehe sein. Folgende Beispiele haben sich in den letzten Jahren in Deutschland als ausreichende Ursache bei der Rechtsprechung herausgestellt:

  • Morddrohungen gegenüber dem Ehegatten

  • Eingehen einer neuen Beziehung, die zur Schwangerschaft führte

  • schwerer Alkohol- oder Drogenmissbrauch über mehrere Jahre hinweg, auch bei Anwesenheit der Kinder oder des Partners

  • ernstzunehmende Nervenerkrankung, sofern diese nicht vor Eheschließung bekannt war

  • Straftaten gegenüber dem Ehegatten oder nahen Verwandten

  • schwerwiegende Beleidigungen und Bedrohungen dem Ehegatten gegenüber im Beisein der Kinder

  • körperliche Misshandlungen dem Partner gegenüber in Gegenwart der Kinder

  • Motiv der Eheschließung lediglich zum Erhalt einer Aufenthaltsgenehmigung

  • Zwang zu sexuellen Abartigkeiten (z. B. Geschlechtsverkehr mit mehreren Personen)

Eine nachlässige Haushaltsführung, ein einmaliger, im Affekt entstandener körperlicher Angriff auf den Partner, Untreue oder Eifersucht sowie die Absicht, eine neue Ehe einzugehen, reichen hingegen nicht für eine Härtefallscheidung aus.

Wie läuft die Härtefallscheidung ab?

Wie bereits erwähnt ist hierbei keine vorherige Trennungsphase erforderlich. Allerdings müssen im Scheidungsantrag nicht nur die entsprechenden Gründe detailliert dargelegt, sondern auch bewiesen werden. Im Falle von Körperverletzungen ist beispielsweise das Beilegen von ärztlichen Attesten möglich. Wurde zuvor bereits einmal Anzeige bei der Polizei wegen tätlicher Übergriffe erstattet, kann auch diese als Beweis vorgelegt werden.

Bestreitet der Ehegatte die Vorwürfe, muss das Familiengericht eine regelmäßige Beweisaufnahme gegebenenfalls auch mit Zeugenaussagen Dritter durchführen. Dieses Prozedere kann sich daher leider einige Monate in die Länge ziehen.

Anschließend findet unter Umständen der Versorgungsausgleich statt. Grundsätzlich nimmt dieser ebenfalls noch mal vier bis sechs Monate in Anspruch, bis dem Gericht alle einzuholenden Auskünfte vorliegen.

Fazit

Zusammenfassend ist eine Härtefallscheidung nur dann empfehlenswert, wenn tatsächliche schwerwiegende Gründe für einen Härtefall vorliegen und diese sich auf die Handlungen des Ehegatten beziehen.

Zudem sollten die Argumente dargelegt, bewiesen und vom Partner nicht widerlegt werden können. Wenn kein Versorgungsausgleich, beispielsweise aufgrund einer notariellen Beglaubigung, durchzuführen ist, wird zusätzlich Zeit gespart.

Weitere hilfreiche Ratgeber zu diesem und ähnlichen Themen finden Sie auf www.scheidung.org.


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