Fragen zum demokratischen Erziehungsstil - Ist es sinnvoll, alles zu diskutieren?

Erstellt von Michael Ueberschaer am 02.05.2016, 22:29

 

Familie in EintrachtBei der demokratischen Erziehung sollen Sie als Eltern mit Ihren Kindern alles diskutieren.

Es wird angeraten, dass Sie nicht einfach Entscheidungen treffen, sondern Ihren Kindern die Möglichkeit geben, mit Ihnen über mögliche Entscheidungen zu diskutieren.

Im folgenden möchte ich mich der nächsten Frage zuwenden, die sich aus meinen ersten Überlegungen zum Thema Demokratischer Erziehungsstil ergeben hat.

 

Ist es sinnvoll, alles mit Ihren Kindern zu diskutieren?


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Sinnvoll für wen?

Für die Beantwortung der Frage ist es wichtig, sich folgendes klar zu machen. Wenn Sie dem Rat folgen, alles mit Ihren Kindern zu diskutieren, hat dies Auswirkungen auf viele Personen. Zunächst einmal wirkt sich dies auf alle Familienmitglieder Ihrer Familie aus:

  • Auf Sie als Mutter
  • Auf Sie als Vater
  • Auf Ihre Kinder

Sind die Auswirkungen sinnvoll?

Grundsätzlich ist es auch beim demokratischen Erziehungsstil wie bei allen anderen, schon dagewesenen Erziehungsstilen. Sie analysieren Erziehungsverhalten mit dem Fokus, ob es für Ihre Kinder sinnvoll ist oder nicht. Das bedeutet, dass die Frage, ob dieser Erziehungsstil für Sie als Mutter oder für Sie als Vater sinnvoll ist, nicht gestellt werden kann. Ich stelle die Frage dennoch.

Sie beginnen also, ab einem gewissen Alter Ihres Kindes, Diskussionen zu Entscheidungsfragen einzuführen. Dies ist erst möglich, wenn Ihr Kind sprechen kann. Davon ausgegangen, dass Ihr Kind Ihrem Angebot folgt, wird es irgendwann begreifen, dass diskutieren erlaubt und erwünscht ist und dies regelmäßig einfordern. Wann Ihr Kind eine Diskussion einfordert oder beginnt, ist von vielen Faktoren abhängig und kaum vorhersehbar.

Ihr Kind entscheidet, wann diskutiert wird

Es hängt also wesentlich von den Entscheidungen Ihres Kindes ab, welche Diskussion Sie wann führen werden und um welches Thema es dabei gehen wird. Grundsätzlich ist Ihnen die Möglichkeit genommen, hier in irgendeiner Weise den Verlauf zu steuern. Vielleicht können Sie eine Diskussion verschieben, z.B. in den frühen Abend, wenn alle Familienmitglieder, die diskutieren dürfen, zuhause sind. Darüber wären allerdings rechtzeitig Vereinbarungen zu treffen.

Wie schon gesagt, ist die Frage nach dem Sinn für Sie als Mutter und Vater nicht erlaubt.

Der Sinn unserer HandlungenWas ist der Sinn des demokratischen Erziehungsstils

Bevor ich hier irgendwie weiterkommen kann, so stelle ich fest, ist eine Klärung notwendig, warum der demokratische Erziehungsstil überhaupt geprägt wurde. Wie schon von mir festgestellt, ergibt sich dieser Stil irgendwie aus den Erfahrungen mit den beiden Stilen 'autoritär' und 'antiautoritär'. Beide haben gravierende Nachteile, die man mit einem Stil dazwischen offenbar irgendwie vermeiden möchte und Sie als Eltern vermeiden sollen.

Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger kann ich erkennen, was mit diesem Stil erreicht werden soll. Klar; ein Teil kann sein, die Demokratie als Form des Zusammenlebens Ihren Kindern nahe zu bringen.

Doch müssen Sie dafür als Eltern den demokratischen Erziehungsstil wählen? Und ist das zwingend Ihre Aufgabe als Eltern?

Warum überhaupt Erziehungsstile

Autoritär zu erziehen bedeutet, dass Sie als Erwachsene Vorgaben machen. Antiautoritär zu erziehen, bedeutet, dass Sie keine Vorgaben machen. Dazwischen bewegen Sie sich, wenn Sie situationsbezogen entweder eine Vorgabe machen oder nicht. Dazwischen bewegen Sie sich auch, wenn Sie zu dem einen Thema eine Diskussion zulassen und zu einem anderen nicht.

Es leuchtet mir nicht ein, warum Sie als Eltern kategorisch alles mit Ihren Kindern diskutieren sollten. Es stellt sich mir die Frage, ob Erziehungsstile überhaupt als Empfehlung gedacht waren und sind. Mir scheint, dass diese eher beschreibenden Character haben und lediglich Vorteile und Nachteile von Erziehungsverhalten aufzeigen.

Erziehungsstile sind einseitig

Auch der demokratische Erziehungsstil beinhaltet die Annahme eines recht starren Erziehungsverhaltens.

Der autoritäre Erziehungsstil sieht ausschließlich Vorgaben und Strafen als Erziehungsverhalten vor.
Der antiautoritäre Erziehungsstil setzt voraus, dass Sie Ihre Kinder gar nicht beeinflussen.
Der demokratische Erziehungsstil fordert, dass Sie Ihren Kindern erlauben, immer zu diskutieren.  

Demokratischer Erziehungsstil als Vermeidungsstrategie

Dieser Erziehungsstil stellt als Vorteil heraus, dass Nachteile der beiden anderen Erziehungsstile vermieden werden. Tatsächlich vermeiden Sie damit starres Erziehungsverhalten mit einem anderen starren Erziehungsverhalten.

Sie vermeiden damit auch, dass

  • Sie als Mutter mit Ihrer Persönlichkeit und eigenen Vorstellungen sowie Grenzen erkennbar sind
  • Sie als Vater mit Ihrer Persönlichkeit und eigenen Vorstellungen und Grenzen erkennbar sind

Je mehr Sie versuchen, dem beschreibenden Ideal des demokratischen Erziehungsstils zu entsprechen, desto weniger werden Sie sich als eigenständige Person einbringen können. Dies haftet sämtlichen Erziehungsstilen an, weil Sie auf bestimmte Verhaltensweisen fokussieren.

Fazit

Sinnvoll ist, dass Sie sich als Mutter und Vater fragen, ob Sie sich persönlich einbringen möchten.

Möchten Sie Ihre Normen, Werte, Wünsche und Vorstellungen auf der einen und Ihre Gefühle und Grenzen auf der anderen Seite in die Beziehungsgestaltung mit Ihren Kindern einbringen?

Je nachdem wie Sie diese Frage für sich beantworten, werden Sie Ihr Erziehungsverhalten gestalten. Davon hängt auch ab, ob der demokratische Erziehungsstil für Sie als Eltern sinnvoll ist.

Ob es für Ihre Kinder sinnvoll ist, alles zu diskutieren, bleibt am Ende dieses Artikels unbeantwortet.

 

Was denken Sie? Ich freue mich über Ihre Kommentare.


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