Einflußnahme der MINT Initiative zeigt offenbar Wirkung - Bildung in einer digitalen Welt

Erstellt von Michael Ueberschaer am 14.06.2016, 13:22

 

Im Internet ist zu lesen, dass sich die Kultusministerkonferenz nun etwas auf die Agenda gesetzt hat, was von der MINT Initiative proklamiert wird. Bei der Rheinischen Post heißt es:

Im Entwurf des Papiers, der unserer Redaktion vorliegt, formulieren die Chefs der Bildungsressorts Vorhaben, wie sie etwa den Unterricht, die Lehrerausbildung und die Nutzung von Bildungsmedien den "Herausforderungen der Digitalisierung" anpassen wollen.

Das Papier der Kultusminister ist ein weiterer Meilenstein in der einseitigen Ausrichtung von Bildung. Mehr oder weniger ungebremst wird aufgrund ungeprüfter Aussagen auf Berufsausbildung fokussiert. Die Wirtschaft beklagt sich über mangelnde Fachkräfte und die Damen und Herren Kultusminister/innen übernehmen, was unter anderem die MINT Initiative behauptet.

N-TV schreibt dazu:

Angesichts massiver Klagen aus der Wirtschaft über mangelnde Computerkompetenzen vieler Schüler und Lehrlinge wollen Bund und Länder ihre Aktivitäten für digitale Bildung verstärken.

Tatsächlich ist es so, dass mehr oder weniger ausschließlich Klagen aus der Wirtschaft seit Jahren für eine erhebliche Unruhe im Bildungssystem sorgen. Folgende Veränderungen sorgen für Unruhe und mangelnde Kontinuität (Auszug):

  • Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen
  • Verschulung der Studiengänge
  • Einführung von Ganztagsschulen
  • Einführung des 12-er Abiturs
  • Abschaffung des 12-er Abiturs
  • Einführung neuer Schulformen wie Oberschule etc.

Wer sich mit dem Papier der Kultusminister beschäftigt, bekommt einen Eindruck, was da auf Schüler, Lehrer und Eltern zukommen soll.

Behauptungen sind keine Wahrheiten


Das Papier prägt den Begriff der digitalen Welt. Wer sich in dieser digitalen Welt nicht bewegen kann, ist laut Papier dem Untergang geweiht. Diese Annahme erzeugt extremen Druck und dies anhand von Behauptungen, die keinesfalls die Wahrheit abbilden.

Denn wir leben nicht in einer digitalen Welt, sondern in einer Welt, auf der Erde oder in Deutschland oder in Bremen.

Wir nutzen Computer, denen Hardware zugrunde liegt. Wir nutzen Anwendungssoftware, um emails oder sms zu verschicken. Wir nutzen Kühlschränke, Autos usw, die zunehmend computergesteuert sind, ja. Und wir leben nicht in einer digitalen Welt. Dass ist vorsichtig gesagt kompletter Blödsinn.

Auf Seite 1 des Papiers heißt es:

Digitale Medien wie Smartphones und Tablets sind mit ihrer jederzeitigen Verfügbarkeit des Internets und mobiler Anwendungssoftware zum allgegenwärtigen Begleiter geworden. Sie ermöglichen nahezu allerorts und jederzeit den Zugriff auf unerschöpfliche Informationen und eröffnen immer neue Kommunikationsmöglichkeiten in unterschiedlichen privaten Kontexten oder (teil-)öffentlichen Netzwerken. Digitale Medien, Werkzeuge und Kommunikationsplattformen verändern nicht nur Kommunikations- und Arbeitsprozesse, sondern erlauben auch neue schöpferische, kreative Prozesse.

Es ist bemerkenswert, diese Einleitung zu lesen. Denn Sie zeigt deutlich, wem sich die Kultusminister verschrieben haben. Denn mann könnte, wenn man wollte, die sogenannten, unerschöpflichen Informationen auch problematisieren. Man könnte auch den ungebremsten Zugang für Kinder zu den oft nicht überprüften und nicht jugendfreien Informationen hinterfragen.

Doch dies hat natürlich in einem Papier, mit dem man etwas verkaufen möchte, nichts zu suchen.

Weiter heißt es auf Seite 1:

Die Digitalisierung ist für den gesamten Bildungsbereich Herausforderung und Chance zugleich.

Eine gewagte These, denn nicht mehr als eine These oder Behauptung ist dieser Satz.

Eine Herausforderung ist nur dann eine Herausforderung, wenn man sie als solche anerkennt und sich zu eigen macht. Dieser Satz ist anmaßend. Eine Chance? Zunächst einmal ergeben sich Veränderungen, ja. Ob sich daraus Chancen ergeben, sei dahingestellt.

Im Anhang auf Seite 34 ist zu lesen:

Der Einsatz digitaler Medien trägt in verschiedenen Bereichen des fremdsprachlichen Unterrichts zu einem vertieften Lernerfolg bei. So fördert die Nutzung digitaler Medien im Bereich der funktionalen kommunikativen Kompetenzen (z.B. Lernapps bzw. Lernsoftware zur Erweiterung des Wortschatzes) das selbstständige Sprachenlernen und führt zu mehr Sprachlernbewusstheit.

Das mag für den einen oder anderen Schüler vielleicht zutreffend sein. Daraus allerdings eine Gemeingültigkeit abzuleiten, ist meines Erachtens nicht nur gewagt. Dieses Zitat ist aus meiner Sicht symptomatisch für die Entwicklung im Bereich Bildung, die nicht nur die Berufsbildung berücksichtigen sollte. Schon jetzt wird der Verschiedenheit von Kindern und ihrem individuellen Lerntempo kaum noch Rechnung getragen. Gleichmachung lautet die Devise in einem Bildungssystem, welches dadurch mehr einsortiert und aussortiert.

Natürlich sind Kenntnisse in Anwendungssoftware in bestimmten Lebensbereichen hilfreich. Kinder, Lehrer und Eltern generell mit zusätzlichen, vermeintlichen Notwendigkeiten zu konfrontieren, ist einseitig und aus pädagogischer Sicht nicht zu verantworten.

Ohne eine Reifung auf kognitiver, sprachlicher und emotionaler Ebene ist wirkliche Bildung für Schüler nicht möglich. 


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