Gewaltkreislauf – Häusliche Gewalt – 3. Phase

Im 2. Teil dieser Artikelserie zum Gewaltkreislauf habe ich aufgezeigt, dass der oder die Täterin nach seiner oder ihrer Tat bald das Opfer wahrnimmt.

Die Folgen der eigenen Tat zu erkennen, bedeutet, dass der Täter oder die Täterin mit ausgesprochen unangenehmen Gefühlen konfrontiert wird.

Das Opfer ist ebenfalls mit unangenehmen Gefühlen konfrontiert; besonders die eintretende Ohnmacht macht Opfern sehr zu schaffen.

3. Phase im Gewaltkreislauf

Selbstabwertung beim Täter oder der Täterin

Teil des Gewaltkreislaufs ist auf der Täterseite, dass dieser unangenehme Gefühle beseitigt.

Um nicht mehr erschrocken, entsetzt und enttäuscht sein zu müssen, tritt der Täter in die 3. Phase ein und beginnt sich selbst ab zu werten.

Das bedeutet meistens, dass Täter* ihre gesamte Person in Frage stellen. Sie gelangen in Gedanken zu der Erkenntnis, dass sie kein richtiger Mann, ein schlechter Mensch, eine schlechte Ehefrau, ein fürchterlicher Vater oder eine schreckliche Mutter usw. sind.

Grundsätzlich ist es nicht hilfreich eigene Gefühle zu beseitigen. Die eigene Person abzuwerten, ist eine besondere Form, dies zu tun und führt dazu, dass Täter sich selbst in eine Krise manövrieren, die unterschiedlich lange andauern kann.

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Angst und Verwirrung beim Opfer

Das Opfer ist in dieser Phase komplett auf sich allein gestellt, da der Täter extrem mit sich selbst beschäftigt ist und entsprechend kaum Gespräche möglich sind. Opfer sind in der 3. Phase weiterhin mit unangenehmen Gefühlen konfrontiert.

Neben Ihrer Ohnmacht, merken Sie Angst und Verunsicherung. Zusätzlich verunsichert werden Sie oft durch das zurück gezogene Verhalten des Täters, der sich nicht mitteilt.

Oft beginnen Opfer schon jetzt, darauf zu achten, eine ähnliche Situation, in der der Täter zugeschlagen hat, zu vermeiden. Damit übernehmen sie bereits Verantwortung dafür, dass der Täter nicht erneut zuschlagen wird.

Solange der Täter in seiner Selbstabwertung bleibt, sind beide, Täter und Opfer, in Ihrer Partnerschaft oder Ehe sehr isoliert und auf sich selbst zurück geworfen. Beide Seiten werden es vermeiden, über Ihre Gefühle zu sprechen.

Fazit

In der 3. Phase, in der sich der Täter abwertet, sprechen Täter und Opfer nur, wenn sie den Alltag besprechen müssen und Organisatorisches nicht warten kann. Ersttäter sind extrem damit beschäftigt, wie es ihnen passieren konnte, die eigene Freundin, den Ehemann oder das eigene Kind zu schlagen.

* Ich benutze ab hier zur besseren Lesbarkeit die männliche Form. Mein Artikel schließt dennoch mit ein, dass es Täter und Täterinnen gibt, sich also Männer und Frauen gewalttätig verhalten (können).

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