Bei sich bleiben - Was hindert uns?

Erstellt von Michael Ueberschaer am 27.04.2017, 12:30

 

Bei sich bleiben?

Na klar; das ist wichtig. Und die Betonung liegt auf sich.

Wir sollten bei uns bleiben, wenn wir mit Phänomenen konfrontiert werden.

Leider wird hierzu auch der ein oder andere Blödsinn verbreitet. Bei sich zu bleiben bedeutet, sich selbst wahrzunehmen und sich nicht ablenken zu lassen. Bei sich zu bleiben bedeutet nicht, Aussagen oder Handlungen unserer Mitmenschen auszuhalten und/oder zu interpretieren.

Wenn Sie eine jüngere Schwester oder einen jüngeren Bruder haben, dann werden Sie höchstwahrscheinlich mit dem Dogma aufgewachsen sein:


Sie oder er ist doch kleiner als Du.

Damit einher geht die Forderung, eigene Gefühle beiseite zu schieben. Oft formulieren Eltern diese Forderung auf die ein oder andere Weise. Das ist unter anderem oft der Beginn vom Ende Ihrer Selbstwahrnehmung gewesen.

Wie lernen, uns zurück zunehmen und eigene Gefühle nicht mehr ernst zu nehmen. Die Folge ist dann oft, dass Mitmenschen über unsere Grenzen gehen ohne es zu merken.

Bei sich bleiben in der Zweierbeziehung

In Zweierbeziehungen neigen wir dazu, uns selbst zurück zu nehmen. Die Folge ist mangelnder Kontakt. Die Qualität unserer Beziehung leidet darunter erheblich.

Was hindert uns daran, bei uns zu bleiben?

Es ist erst einmal offensichtlich, dass wir selbst verantwortlich sind. Wir haben diverse Gründe, unseren Gefühlen sozusagen nicht über den Weg zu trauen. Bedenken Sie, dass ich von Gefühlen spreche, die sich situationsbezogen bei uns einstellen; nicht aufgrund unserer Interpretationen oder Sprüngen in die Vergangenheit oder Zukunft.

Über unangenehmes aggressives Verhalten finden Sie bereits diverse Artikel beim Beziehungsblog. Aggressives Verhalten hat auch eine andere, sehr nützliche Seite

Doch im Alltag haben wir oft ein Problem. Aggressives Verhalten wird meistens generell negativ bewertet. Für Männer ist es leider oft das einzige Verhalten, welches Sie als Mann ausweist, mit dem Sie nicht Gefahr laufen, ihre Männlichkeit zu gefährden. Gleichzeitig negativ bewertet, befinden sich Männer also oft in einem Spannungsfeld, mit dem nur schwierig umzugehen ist.

Frauen, die aggressiv ihre Belange vertreten und ihre Gefühle nachhaltig vermitteln, werden oft als Zicke bezeichnet; 'Frauen zicken dann rum'. Frauen möchten allerdings keine Zicke sein, also was tun? Na klar, lieber die berühmt berüchtigten Bälle flach halten.

Wenn Sie mit dem Verhalten Ihrer Partnerin oder Ihres Partners nicht einverstanden sind, dann haben Sie es unter diesen Bedingungen schwer, ihr oder ihm dies deutlich zu machen.

Fazit


Bei sich zu bleiben, also sich selbst wahrzunehmen, ist heute nicht leicht. Die gesellschaftlichen Vorgaben geben etwas anderes vor. Die dadurch erzeugte Verunsicherung betrifft wahrscheinlich auch Sie.
Es ist umso wichtiger, sich der eigenen Bedarfe und Gefühle (wieder) anzunähern.
 

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