Was haben Sie von Ihrem aggressiven Verhalten?

Erstellt von Michael Ueberschaer am 11.10.2016, 09:06

 

Im ersten Teil dieser Artikelserie habe ich Ihnen aufgezeigt, welches aggressive Verhalten unangemessen ist.

Darunter finden sich auch Straftaten, also Verhaltensweisen, die gegen geltende Gesetze verstossen.

Umso erstaunlicher ist es, um welchen Aspekt es im 2. Teil meiner Artikelserie zu aggressivem Verhalten und Antiaggressionstraining gehen wird.
 

Was haben Sie von Ihrem Aggressiven Verhalten?


Für diejenigen unter Ihnen, die mit Ihrem aggressiven Verhalten unzufrieden sind, ist diese Frage sicherlich mindestens ungewöhnlich.

Und diese Frage ist angebracht, denn wir verhalten uns aufgrund von Entscheidungen.

Was ich damit meine?

Wir geraten im Alltag in bestimmte Situationen und machen auch Erfahrungen im Kontakt mit unseren Mitmenschen. Mit den damit verbundenen Phänomenen müssen wir umgehen. Dies gilt bereits, wenn wir Kinder und Jugendliche sind.

Wenn wir aus unseren Erfahrungen dahingehend unsere Schlüsse ziehen, dass es für uns keinen Sinn ergibt, bestimmte Gefühle zu merken oder zu zeigen, treffen wir entsprechende Entscheidungen.

Wenn es für Sie zum Beispiel keinen Sinn ergibt, enttäuscht zu sein, werden Sie höchstwahrscheinlich vermeiden, enttäuscht zu sein.

1. Aggressives Verhalten = Gefühle beseitigen, verdrängen, abwehren

Strategien im Umgang mit Gefühlen

Das bedeutet, dass Sie Strategien entwickelt haben, Ihre Enttäuschung, wenn diese sich situationsbezogen einstellt, beiseite zu schieben, d.h. aktiv zu beseitigen.

Es gibt einige grundlegende Strategien, eigene Gefühle zu beseitigen, damit wir sie nicht mehr merken. 

Enttäuscht sind wir normaler Weise entweder durch das Verhalten eines Mitmenschen oder weil uns selbst etwas nicht gelungen ist. 

Wenn wir aufgrund des Verhaltens eines Mitmenschen enttäuscht sind, ist eine mögliche und oft genutzte Strategie, ärgerlich zu werden, um die eigene Enttäuschung nicht (mehr) merken zu müssen.

Wenn wir ärgerlich sind, tritt ein anderes Gefühl schnell in den Hintergrund und spielt in unserem Erleben zunächst keine Rolle mehr.

Indem Sie also Ärger im wahrsten Sinne des Wortes produzieren, ist Ihre Enttäuschung für den Moment weg.

Was hat das mit aggressivem Verhalten zu tun?

Durch das Produzieren von Ärger spielen Ihre Gefühle, die sich situationsbezogen einstellen, für Ihr Erleben in der jeweiligen Situation keine Rolle mehr. Wenn Sie diese Strategie schon lange anwenden, dann merken Sie die eigentlichen Gefühle tatsächlich nicht mehr.

In Ihrem Erleben stellt sich in gewissen Situationen direkt Ärger ein.

Das bedeutet, dass Sie Ihren Abwehrmechanismus perfektioniert haben.

Die Folge ist, dass Sie grundsätzlich Ärger erleben, obwohl sich ein anderes Gefühl einstellt bzw. einstellen sollte.

Die Gefühle, die zu den von Ihnen erlebten Situationen passen (würden), drängen allerdings an die Oberfläche und wollen Raum haben. Im Laufe der Zeit wird Ihr Aufwand immer größer, diese nicht an die Oberfläche gelangen zu lassen.

Wenn Ihre Strategie, lediglich Ärger zu produzieren, nicht mehr ausreicht, um die Gefühle in den Hintergrund zu drängen, dann verhalten Sie sich irgendwann unangemessen aggressiv.

Sie schreien laut, zerstören Gegenstände oder ähnliches. Durch Ihr aggressives Verhalten entsteht eine neue Situation, die Ihrerseits von Gefühlen aus Ihrem Alltags-Erleben ablenkt.

2. Aggressives Verhalten = Kontaktvermeidung zu Mitmenschen

Auch Ihre Mitmenschen, die Ihr aggressives Verhalten miterleben (müssen), sind mit einer neuen Situation konfrontiert und haben keine Möglichkeit, Sie mit Ihren Gefühlen zu erleben.

Die Folge ist Kontaktvermeidung. Es ist Ihnen nicht nur gelungen, die eigenen, unangenehmen Gefühle weiterhin zu beseitigen. Vielmehr erreichen Sie mit Ihrem aggressiven Verhalten auch, dass Ihre Partnerin oder Ihr Partner keinen Hinweis darauf erhält, wie es Ihnen tatsächlich geht.

Da unangemessenes, aggressives Verhalten bei Ihren Mitmenschen ebenfalls unangenehme Gefühle wie beispielsweise Angst auslöst, werden Sie in Ruhe gelassen.

Auch andere Mitmenschen, die Ihr Verhalten mitbekommen, bleiben ohne Informationen und erleben nicht, mit welchen unangenehmen Gefühlen Sie tatsächlich konfrontiert sind.

Fazit

Wenn Sie bestimmte Gefühle nicht haben dürfen, werden Sie diese mit Ihrer persönlichen Strategie beseitigen. Reicht Ihre Strategie nicht mehr aus, verhalten Sie sich aggressiv und das auf unangemessene Art und Weise.

Sie erreichen damit zweierlei:

  1. Sie bewahren sich die Möglichkeit, unangenehme Gefühle zu beseitigen
  2. Sie vermeiden Kontakt und Sie vermeiden, dass Ihre Mitmenschen Sie wirklich erkennen können.

Die Folge ist mangelnder Kontakt besonders in Zweierbeziehungen.

Im nächsten Teil meiner Artikelserie werde ich genauer beleuchten, welche Rolle Ihr aggressives Verhalten in Ihrer Zweierbeziehung spielt, d.h. welche Wirkung Sie damit bei Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner erzielen.

Schreiben Sie gerne von Ihren Erfahrungen in meine Kommentare. Ich freue mich auf Rückmeldungen.
 


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