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Aggressives Verhalten in der KITA, Schule oder Jugendhilfeeinrichtung -> Antiaggressionstraining?

Aggressives Verhalten in der KITA, Schule oder Jugendhilfeeinrichtung -> Antiaggressionstraining?
Wenn Sie als ErzieherIn oder SozialpädagogIn oder LehrerIn mit Kindern oder Jugendlichen arbeiten, werden Sie auch mit aggressivem Verhalten konfrontiert.

Die Versuchung nach einem Antiaggressionstraining zu rufen, ist dann schnell groß.

Doch ist ein Antiaggressionstraining immer angezeigt, wenn sich ein Mädchen oder ein Junge aggressiv verhält?

Bevor ich auf aggressives Verhalten näher eingehe, möchte ich auf meinen Artikel Ist aggressives Verhalten Gewaltverhalten? hinweisen. Ohne Kenntnis dieses Artikels ist es wenig sinnvoll, sich mit aggressivem Verhalten näher zu beschäftigen.

Aggressives Verhalten als Kontaktvermeidung

Insbesondere Jungen aber auch Mädchen nutzen aggressives Verhalten, um Kontakt zu vermeiden.

Vielleicht werden Sie sich fragen, was dies bedeuten soll bzw. wie dies gemeint ist.

Natürlicher Weise entstehen auch in der KITA, in der Schule oder auch in Jugendhilfeeinrichtungen Konflikte. Diesen können entweder unterschiedliche Auffassungen oder mangelnde Bedürfnisbefriedigung zu Grunde liegen.

KITA

Wenn Kinder miteinander spielen, kann es den klassischen Streit um eine Schaufel, einen Platz auf der Schaukel oder ähnliches geben.
Kinder müssen sich dann in Geduld üben. Dies ist natürlicher Weise eine Entwicklungsaufgabe.

Werden Wünsche nicht direkt erfüllt, kann es sein, dass sich unangenehme Gefühle einstellen.

Leider haben insbesondere Jungen oft bereits Erfahrungen mit dem Ausdruck Ihrer Gefühle gemacht, die sie nicht bestärkt haben, ihren Gefühlen weiterhin Ausdruck zu verleihen.

Legitim ist dann maximal, ärgerlich zu sein und sich entsprechend aggressiv zu verhalten.

Schule

In_der_Schule_sind_die_Anforderungen_hoch__Konflikte_die_FolgeDer Klassiker in der Schule sind Störungen durch Schüler oder Schülerinnen sowie nicht gemachte Hausaufgaben. Aus eigener Erinnerung wird es bezüglich der Abfrage von Hausaufgaben oft unangenehm. Dies gilt logischer Weise besonders für Schüler oder Schülerinnen, die diese nicht bearbeitet haben.

Aber auch Pausensituationen und Regelübertretungen können zu Konflikten führen. 

Auch in der Schule dient aggressives Verhalten Schülern und Schülerinnen zur Ablenkung von ihren eigenen Gefühlen.

Es ist wesentlich populärer, sich aggressiv zu verhalten als über die eigenen Befindlichkeiten zu sprechen. In unserer Leistungsgesellschaft ist es nicht üblich, zum Beispiel zu benennen, wenn ich als Schüler etwas nicht verstanden habe oder überfordert bin.

Aggressives Verhalten vermittelt, das der oder die Agierende ärgerlich oder wütend ist. Dies kann im Einzelfall richtig sein. Im allgemeinen sind allerdings andere Gefühle vorhanden.


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Jugendhilfeeinrichtungen

In_der_Jugendhilfe_sind_vornehmlich_Jugendliche_zu_betreuenNaturgemäß leben in stationären Jugendhilfeeinrichtungen Mädchen und Jungen ab dem 12 Lebensjahr; Ausnahmen sind zum Beispiel SOS Kinderdörfer.

Wenn Sie in gängigen Einrichtungen arbeiten, arbeiten Sie eher mit Jugendlichen als mit Kindern.

Jungen sind besonders gefordert, wenn sie nicht zuhause leben können. Neben der Anforderung an eine berufliche Orientierung und der Aufgabe, erwachsen zu werden, wollen männliche Jugendliche auch Männer werden.

Im Umgang mit pädagogischen Fachkräften neigen sie deshalb besonders dazu, Gefühle, die als unmännlich gelten, zu verstecken. 

Aggressives Verhalten scheint da die willkommene Lösung.

Antiaggressionstraining

Aggressives Verhalten ist meistens Ausdruck mangelnder Alternativen. Jungen und auch Mädchen, die sich aggressiv verhalten, wissen nicht, wie sie Kontakt herstellen sollen.

Kontakt her zu stellen bedarf der Gewissheit, dass ich mit mir selbst im Kontakt sein darf. Eigene Gefühle zu merken, zu benennen, muss ungefährlich und nützlich sein.

Wenn Kinder und Jugendliche sich aggressiv verhalten, dann bekommen sie dadurch meistens mehr Aufmerksamkeit. Ein sogenannter Teufelskreis.

Aggressives Verhalten wird so quasi abgerufen. Die Lösung: Antiaggressionstraining.

Kein Antiaggressionstraining

Die Krux ist, dass viele Angebote gar nicht aggressives Verhalten meinen, sondern Gewaltverhalten. Diese Angebote sind nicht passend, wenn es um aggressives Verhalten geht.

Viele Angebote vermischen aggressives Verhalten und Gewaltverhalten. Auch das ist nicht hilfreich, insbesondere nicht für Kinder und Jugendliche, die diese Angebote wahrnehmen sollen bzw. wollen.

Für die Anbieter ist es meistens hilfreich, da sie dadurch mehr Teilnehmer ansprechen. Professionell geht meines Erachtens anders.

Trend Antiaggressionstraining

Wenn Kinder und Jugendliche stören, stören Sie irgendwann so erheblich, dass Antiaggressionstrainings vermeintlich die Rettung bieten?

Doch für wen? Für die Kinder und Jugendlichen eher nicht. Ich möchte nicht sagen, dass die Angebote generell schlecht sind. Es ist nichts dagegen ein zuwenden, Kindern und Jugendlichen Angebote zu machen. Allerdings halte ich es für wichtig, dass aggressives Verhalten nicht generell als störend wahrgenommen wird, sondern das pädagogsiche Fachkräfte sozusagen hinter die Kulissen blicken.

Fazit

Aggressives Verhalten dient einem Zweck. Kinder und Jugendliche verstecken sich mit aggressivem Verhalten. Im Einzelfall kann ein wirkliches Antiaggressionstraining Unterstützung bieten.

Meistens brauchen die betroffenen Kinder und Jugendlichen aber Pädagogen, die sich der Mechanismen im Umgang mit den eigenen Gefühlen bewusst sind.

Wichtig ist dabei auch , sich als männlicher Pädagoge und weibliche Pädagogin mit den besonderen Herausforderungen des gleichgeschlechtlichen Umgangs und gegengeschlechtlichen Umgangs bewusst zu sein.

Voraussetzung ist also, mit den eignen Gefühlen umgehen zu können und diese im Umgang mit Kindern und Jugendlichen zeigen bzw. benennen zu können.

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Über Michael Ueberschaer

Ich bin Michael Ueberschaer. Ich bin selbständiger Blogger.

Hier im Blog finden Sie Artikel zur Gestaltung von Beziehungen. Dabei dreht sich alles um das magische Dreieck Phänomene, Selbstwahrnehmung und Kommunikation.
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